Das Analysesystem des Projekts ermöglicht die Evaluierung der ermittelten Kennwerte anhand von drei Referenzszenarien (Benchmarks). Im ersten Szenario wird ein fester Referenzwert als Benchmark gesetzt, der beispielsweise für den Heizkessel nach VDI 3807-5 bestimmt werden kann. Im zweiten Szenario erfolgt der Vergleich anhand von Kennwerten aus den Vorjahren (historische Daten). Dies ist allerdings erst dann sinnvoll, wenn Betriebsdaten aus mindestens zwei Jahren vorliegen und zeitliche Trends i
dentifiziert werden sollen. Im letzten Szenario werden Kennwerte mit den entsprechenden Kennwerten aller anderen Anlagen verglichen. Diese Werte müssen alle auf der gleichen Basis berechnet worden sein. Die Benchmark ist erst dann aussagekräftig, wenn eine größere Anzahl von Anlagen über mindestens ein Jahr untersucht wurden.
Im Projekt werden folgende vier Kennwerte genutzt, um einen Überblick über relevanten Qualitäten der Wärmezentralen zu geben. Die Effizienz des Wärmeerzeugers ist von zentraler Bedeutung, da diese Komponente die zugeführte Endenergie in nutzbare Wärme wandelt. Die Wärmeerzeuger werden nach den verschiedenen Endenergieträgern Gas, Öl Holz und Strom unterschieden, nicht jedoch nach Baujahr oder Bauart. Die Effizienz der Komponente wird durch den Jahresnutzungsgrad (Jahresarbeitszahl bei Wärmepumpen) charakterisiert. Er ist definiert als Verhältnis der im Jahr zur Nutzung erzeugten Wärme zu der dem Wärmeerzeuger zugefügten Endenergie ohne erneuerbare Energien. Der nächste untersuchte Kennwert ist die Effizienz der zentralen Trinkwarmwasserversorgung. Sie gibt Aufschluss über Zirkulationsverluste und Verluste der Speicherung und Beladeleitung und ist häufig der Nutzungspfad mit der geringsten Effizienz. Die Effizienz wird über den Nutzungsgrad dargestellt und berechnet sich aus der Wärmeenergie, die im verbrauchten Trinkwarmwasser enthalten ist, dividiert durch die dem Trinkwarmwasserbereiter zugeführte Wärmemenge. Auch der Anteil lokaler erneuerbarer Energien wird betrachtet. Dieser Kennwert stellt dar, wie weit das Gebäude und die Wärmezentrale durch autarke erneuerbare Energie betrieben wird. Er wird aus dem Verhältnis der am und um das Gebäude lokal bereitgestellten erneuerbaren Energien zur Summe aller zugeführten Energien berechnet. Zuletzt werden die spezifischen CO2-Emissionen untersucht. Dieser Kennwert gibt an, welche Gesamtmenge an CO2-Emissionen durch den Wärmeverbrauch des Gebäudes erzeugt werden. Die Kennwerte „Wärmeerzeuger“ und „Trinkwarmwasserversorgung“ reflektieren die Effizienz der Anlagenteile, während die Kennwerte „lokal erzeugte erneuerbare Energien“ und „CO2-Emissionen“ die Zukunftsfähigkeit der Anlage beurteilen.
Im einem Beispielobjekt des Projektes ist ein Optimierungspotential für die Effizienz des Kesselnutzungsgrades von 8 % zu erkennen, für Trinkwarmwasserversorgung wird ein Optimierungspotential von 9 % berechnet, allerdings liegt der Zielwert auf einem geringeren Niveau. Ein Anzeichen dafür, dass eine zentrale Trinkwarmwasserbereitung im Allgemeinen keine gute Effizienz aufweist, da signifikante Verteilverluste nicht vermieden werden können. Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches gibt an, dass die höchsten Effizienzen und Endenergieeinsparungen hygienisch sicher nur durch eine dezentrale Trinkwarmwasserversorgung erreicht werden können. Für den Anteil erneuerbarer Energie liegt der Zielwert dreimal so hoch wie der Messwert, was einem Potential von 300 % entspricht. Auch hier liegt der Zielwert auf einem niedrigen Niveau, da die lokale Nutzung regenerativer Energien im MFH-Bereich (Umweltwärme, Solarenergie) noch nicht stark verbreitet ist. Im Gegensatz zum gegrenzten Nutzungsgrad der zentralen Trinkwarmwasserversorgung wird der Zielwert bzw. das Potential beim Anteil der regenerativen Energien durch entsprechende Modernisierungen immer weiter Richtung 100% bewegen. Der Kennwert für die CO2-Emissionen liegt am Objekt recht nah am Zielwert, was unter Berücksichtigung des geringen Anteils lokal erzeugter regenerativer Energien auf eine Ausführung der Gebäudedämmung nach mindestens aktuellem Stand der Technik hinweist.
Für die Gaskessel im Gesamtbestand mit einem Mittelwert aller Anlagen von 80 % Jahresnutzungsgrad und von den besten Anlagen mit 90 % Jahresnutzungsgrad ergibt sich eine Abweichung von 10 %. Dies stellt auch das mittlere Optimierungspotential dar. Für die zentrale Trinkwarmwasserversorgung werden ebenso Einsparpotentiale berechnet. So zeigte sich an einem Beispielgebäude, dass höhere Trinkwarmwassertemperaturen und eine deutlich geringere Auslastung im Sommer zur Senkung des Nutzungsgrades der Heizzentrale um 10 %-Punkte führen können. Damit einher geht ein gesteigerter Endenergiebedarf von mindestens 10 %.
Diesen, mit wenigen Mitteln erreichten, Einsparungen bzw. den ggf. durch die Erschließung der aufgezeigten Potenziale noch darüber hinaus möglichen Verbesserungen, stehen nur geringe ökologische Wirkungen gegenüber. Den CO2-Fußabdruck für die Komponenten eines Wärmepumpensystems (1 Wassserzähler, 2 Wärmezähler, 8 kabellose Temperatursensoren, 1 Datenlogger, 1 Smart-Meter) schätzt das Projekt mittels der
Hilfestellung zu den Umweltwirkungen häufig verwendeter Komponenten auf ca. 103,3 kg CO2eq/Jahr. Auch der Datenaufwand ist mit ca. 0,3 GB/Jahr gering. Über die
Kennwerte zu den Umweltlasten der Datenübertragung- und verarbeitung können die CO2-Emissionen auf ca. 0,8 kg CO2eq/Jahr geschätzt werden (Datenübertragung mit VDSL; Serverstandort Deutschland; Use-Case virtuelle Maschine). Bei einem Emissionsfaktor von ca. 0,5 kg CO2eq/kWh
1 müssten also nur ca. 208 kWh/a Strom eingespart werden, um die Umweltlasten ausgleichen zu können.